Haily roadblocks

Heute sollte es wieder weit weit nach Süd-Zentral Texas zurück gehen. Eine Kaltfront ist dort liegen geblieben, nachdem sie uns gestern die Gewitter beschert hat. Südlich davon drückt warme feuchte Luft dagegen. Genau dieser Treffpunkt der Luftmassen interessiert uns. Wir wollen das dennoch eigentlich gar nicht, weil das Straßennetz dort sehr dürftig ist. Aber das Wetter lässt uns keine andere Wahl, vor allen Dingen deshalb, weil in den kommenden Tagen eher Flaute angesagt ist. Also nichts wie auf nach Süden. Wettertechnisch ist es im Texas Panhandle zur Zeit bedeckt und regnerisch bei ca. 15 Grad. Das ist eh nicht das was wir wollen.

 

Wir fahren über endlose, schnurgerade Straßen die einem immer wieder die Weite dieses Landes vor Augen führen. Das ist besonders in den Plains sehr eindrücklich.

 

Südlich einer Linie Midland - San Angelo sind bereits die ersten Zellen entstanden und es ist erst kurz nach Mittag. Wir sind zu diesem Zeitpunkt noch mindestens 250km entfernt. Besonders die westlichste dieser Zellen macht einen sehr guten Eindruck und kann bereits nach kurzer Zeit mit einem 3 inch Hagelmarker aufwarten. Das wollen wir unbedingt näher betrachten. Allerdings stellen sich dem Gewitter südöstlich weitere Zellen in den Weg und wir vermuten nichts Gutes. Sei´s drum, wir beschließen Richtung Barnhart zu fahren und wollen von dort aus nach Westen vor die Zelle, die zu dieser Zeit bereits tornadobewarnt ist. Auf dem Weg dorthin wird uns klar, dass wir wieder durch den Rand einer sehr starken Zelle fahren müssen. Es ist kein richtiger Core Punch aber es regnet wie verrückt. Eine ganze Menge anderer Chaser sind hier bereits wieder unterwegs.

 

Die Lage ist unübersichtlich. Wir vermuten, dass sich die vormals sehr gut entwickelte Zelle im Westen abschwächen wird, wenn sie erstmal mit den Zellen an unserem Standort interagiert. Wir stehen jetzt quasi inmitten einer Linie von sehr starken Gewitter, die eine etwas undefinierte Zugrichtung aufweisen. Es ist kein klarer Trend erkennbar, weshalb wir erstmal abwarten und schauen was passiert. Visuell ist das Ganze nicht besonders eindrücklich. Die Zellen schieben immer wieder sehr kalten Outflow nach Süden heraus was dazu führt, dass sich dort neue bilden. Wir stehen immer wieder im Regen und haben generell wenig Sicht. Das nervt!

 

 

Schlußendlich versuchen wir die südöstlichste Zelle des mittlerweile "Clusters" von Gewittern anzufahren, die sich sukzessive besser entwickelt. Das Problem ist hier wieder einmal das Straßennetz. Um in Zugrichtung davor zu kommen, müssen wir gefährlich nah an den Hagelkern heran. Wir müssen mehrfach anhalten und sogar umdrehen, weil der Hagel zu groß wird.

 

Die Stimmung im Auto ist sehr angespannt weil wir nicht so richtig wissen was wir jetzt machen sollen. Die Südoption ist durch den Hagel versperrt, ein Umweg östlich um die Zelle herum dauert zu lange. Wir haben Angst zuviel Zeit zu verlieren, haben aber keine andere Wahl als zu warten, bis der Hagelkern über unsere Südoption hinweg gezogen ist. Das Bild zeigt das vertically integrated liquid kurz vorher, aus dem sich recht gut die Lage des heftigsten Hagels ablesen lässt. Unsere Südoption ist etwa bei Mertzon, und  wir kommen nicht mehr an der rechten Zelle vorbei. Unsere Position ist der kleine graue Kreis mit dem Punkt in der Mitte.

Als die Zelle die Strasse nach Süden freigibt, fahren wir nach Süden bis El Dorado zwischen zwei Superzellen hindurch. Dabei ist uns zugegebenermaßen etwas mulmig. Die Linie aus Superzellen zieht jetzt etwas schneller nach Südosten und wir kommen nicht wirklich zum Durchschnaufen. Außer einem angsteinflößenden Blitzfeuerwerk mit einigen Naheinschlägen vor einer grauen Wand konnten wir bisher auch keine Strukturen ausmachen. Wir sind frustriert. In El Dorado checken wir kurz die Lage und beschließen von hier aus weiter nach Osten zu fahren. Zu schnell, denn das sollte sich als Fehlentscheidung herausstellen, die uns heute den Chasingtag kosten wird. Folgende Situation: Im Süden entstehen Zellen, von denen uns eine auf dem Weg nach Osten den Weg versperrt. Der Hagelindikator springt innerhalb von 5 Minuten von "durchfahrbaren" 1 Inch auf Frontscheiben zerstörende 3 Inch Hagel. Zusätzlich beschließt die Zelle auf der Stelle zu stehen und zieht dort für eine geschlagene Stunde nicht weg. Unten das entsprechende Radarbild zu diesem Zeitpunkt.

Zurückfahren geht auch nicht mehr, weil auch dort die Straßen durch eine monströse Zelle versperrt sind, welche wir nicht umfahren können. Warten ist angesagt. Unsere Stimmungslage schwankt zwischen Chasing abbrechen und nach Norden ausweichen und Hoffnung, dass sich das Gewitter östlich irgendwie abschwächt und uns passieren lässt.

 

Nach einer weiteren Ewigkeit sehen wir eine leichte Abschwächungstendenz und wir versuchen nach Osten Richtung Menard durchzustoßen. Wir erleben die unglaubliche Gewalt dieser Stürme sehr plakativ, als wir durch eine überschwemmte Eislandschaft fahren. Überall liegen Unmengen von Hagel bis 3cm Größe, der sich teilweise 10-15cm hoch auf der Straße türmt.

 

Unter der Straße fließen alle paar hundert Meter reißende Wassermassen hindurch. Wir müssen an einer Stelle sogar eine Wasserdurchfahrt wagen, die deutlich grenzwertig ist. Auf dem Foto sieht man wieviel Hagel über die Strasse gespült wird!

Wir schaffen es! Fahren von Menard weiter nach Südosten und beschließen ein Hotel in Fredericksburg zu buchen um uns dann noch einmal von dem mittlerweile abgeschwächten Gewittercluster überrollen zu lassen. Abends genießen wir noch auf einer Veranda einen Gewitterspaß mit Sturm und Regen. Und wenn ich Regen sage meine ich monsunartigen Regen, den man so in Europa nie zu Gesicht bekommt. Es ist fast so als würde jemand Eimer auf der Straße ausschütten, Wahnsinn! Ein Naheinschlag lässt nochmal das Adrenalin in unsere Adern schießen, dann kippen wir wir tot in unsere Betten.

 

Hier noch ein Zeitraffer der Fahrt heute: (wird noch nachgereicht)

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