Woodward reloaded

Woodward.... da war doch was.....

 

2010 haben wir bei Woodward eine atemberaubende LP-Superzelle gesehen.

Am nächsten Morgen haben wir Woodward bei 90 Grad Fahrenheit verlassen, obwohl die Zutaten für heftige Stürme gegeben waren. Wir haben aber weiter östlich noch minimal bessere Werte auf den Karten gesehen, und vermutlich die outflow boundary der Stürme vom Vortag komplett ignoriert, bzw. war uns 2010 die Bedeutung dieser boundaries noch nicht so klar. Sind also 200 Meilen nach Osten gefahren, wo dann nichts passiert ist, nur um auf dem Radar zu sehen, dass direkt über Woodward eine Superzelle nach der nächsten hochgeht.

 

Dieses Jahr haben wir uns eigentlich geschworen, Woodward nicht zu verlassen, egal was kommt... als sich im Norden die ersten CBs bilden, fragen wir Georg um Rat, weil wir etwas unentschlossen sind.

 

 

Damit ist das target klar und wir fahren los nach Norden. Dort angekommen erleben wir die Begegnung zweier Spezies, die sich gar nicht unähnlich sind. Beide treten gerne in Horden auf, und es gibt immer wieder Einzelne, die sich mehr trauen als andere und sich näher an die Gefahr heranwagen.

Die updrafts der Zellen sind untenrum beeindruckend, aber die Zellen schaffen es nicht höher als 27000 Fuss, das reicht einfach nicht aus.

Über Twitter schnell mal Dennis Oswald gefragt, wie es bei ihnen im Texas Panhandle aussieht, und er schreibt zurück: Bei Woodward siehts gut aus.

 

Bei Woodward ? Wir hatten schon einen gut aussehenden updraft südlich von uns gesehen, und dann fällt uns die Zelle auch auf dem Radar auf. Wir überlegen kurz und fahren dann runter nach Süden. In der Dreiviertelstunde Fahrt verstärkt sich die Zelle massiv, und wir fahren von Nordosten kommend erstmal auf ihrer Ostseite vorbei. Die Struktur ist schwer begeisternd, es sieht fast wieder nach einer LP aus.

Wir halten auf der Südostseite an einem Bahnübergang, und nach kurzer Zeit bekommt die Zelle eine Tornadowarnung. Jörg wird kurz nervös als ein einzelner Hagelstein im Gras einschlägt, den hat das Karussell wohl rausgeschleudert. Wir bleiben trotzdem noch ein paar Minuten, und beobachten mit Begeisterung, wie sich die Rotation übelst verstärkt. Also fahren wir ran, zuerst nach Westen nach Woodward rein und dann auf einer kleinen Nebenstrasse aus der Stadt nach Norden raus. Die Szenerie ist surreal, auf dem Weg überholen wir Kinder, die auf ihren BMX-Rädern auch auf dem Weg zur Zelle sind. Kaum haben wir die letzten Häuser passiert und haben freie Sicht nach Nordwesten, kommt auch schon der Tornado runter. Wir halten mit allem drauf was wir an Aufnahmegeräten haben.

Als sich der Tornado wieder auflöst, fahren wir weiter nach Norden, in der Hoffnung, dass sich ein Neuer bildet. Wie so häufig an tornadischen Superzellen haut es die krassesten Erdblitze runter, die man sich vorstellen kann. Wir trauen uns nicht aus dem Auto, aber auch von drinnen spürt man die Gewalt der Blitze, deren Donner wie ein Kanonenschlag klingt, den man mit keiner Hifi-Anlage dieser Welt nachbilden kann. Als die Einschläge nicht mehr so nah erscheinen, steigen wir aus und stellen die Stative auf, um noch ein paar der Blitze auf die Speicherkarten zu bannen, doch die Zelle wird empfindlich von einer westlichen hereinziehenden Zelle gestört und haucht ihr Leben aus.

Wir kehren in den Ort zurück und beziehen ein Hotelzimmer im Hampton Inn & Suites. Der nette Herr an der Rezeption hat sichtlich Probleme mit dem Computer, und so wundert es uns nicht, dass wir statt des gebuchten 2 Bettzimmers ein Zimmer mit einem Kingsizebett vorfinden.

Nach etwas schwierigen Verhandlungen bekommen wir ein Zimmer mit zwei Betten, dass zwar ein Raucherzimmer ist, dafür aber soviel Platz bietet, dass wir am nächsten Morgen als Frühsporteinheit etwas Frisbeespielen können.

Nachdem wir zuerst denken, es wäre wieder ein Fehler gewesen, Woodward zu verlassen, ist uns mittlerweile die Logik der Stürme klar. Hätten wir Woodward nicht verlassen, wäre hier vermutlich nichts passiert. Beim nächsten Mal fahren wir nur kurz bis hinter die Stadtgrenze und warten dort auf Auslöse......

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