Kansas Tornadofest

Wir verlassen morgens Woodward und fragen uns, was wohl in Woodward heute passieren wird, nachdem wir weg sind. Aber da wir ja wissen, dass wir den Ort verlassen müssen, damit hier der Punk abgeht, fahren wir gerne hier weg. Als wir auf den Parkplatz kommen, ist dort ein Team von WeatherNation auch gerade an ihren Autos, sie haben wie wir auch gerade ausgecheckt und wollen noch einen kurzen Clip drehen. Sie machen einen kurzen Kommentar zu unserem Bären auf dem Dach.... also bitte, das ist doch kein Bär! Wir kommen ins Gespräch und sie finden es toll, dass wir zum Chasen extra aus Deutschland kommen. Sie wollen auch mit uns einen kurzen Clip drehen, den sie eventuell irgendwo in ihr Web-TV integrieren wollen.

 

Wir werden auf die Fragen nicht vorbereitet, und so müssen wir direkt vor laufender Kamera improvisieren. Ich werde gefragt, wie lange wir schon da sind, und was wir schon erlebt haben. Ich finde ich improvisiere flüssig, benutze dann aber in der Aufregung eine unglückliche Wortwahl, weil ich sage, dass wir schon 4 tornadoes gebagged haben. Er unterbricht die Aufnahme, und sagt, dass wir das so nicht sagen können. Es geht nicht um einen Sport, und der Respekt gegenüber den Leuten, die durch Tornados ihr Hab und Gut verloren haben, ist natürlich wichtig. Ich habe logischerweise auch direkt beim Aussprechen meinen Fauxpas erkannt. Wir beginnen die Aufnahme nochmal...

Ich lege mir meine Antwort nochmal zurecht, und dann fragt er mich, warum wir extra aus Deutschland fürs Chasen herkommen. Bin natürlich erstmal baff ob der neuen Frage und stammel mir eine Antwort zurecht. Jörg gibt auch noch seinen Kommentar ab, und dann wars das auch schon mit dem Take.

Ich vermute, dass wir nicht unbedingt berühmt werden damit...

 

Das Team ist wirklich sehr nett, wir quatschen noch ein bißchen, und irgendwann brechen alle auf.

Da wir uns schon im Zielgebiet befinden, nutzen wir nochmal die schöne Restarea am See in Woodward, um Tacos zu machen. Wohl gestärkt brechen wir gegen 2 Uhr nach Nordwesten auf. Unser Target ist das Grenzgebiet von Oklahoma zu Kansas.

Wir fragen uns die ganze Zeit, was bei den heutigen Werten eigentlich passieren soll. Die CAPE Werte sind ridiculous, die Scherung ist sehr gut, simulierte Helizitätswerte abartig und die Taupunkte für Kansas auch sehr hoch.

 

Die Strassen sind voll von Chasern, also wirklich voll. Wir fahren ein bißchen nach Kansas rein bis nach Englewood, wo wir an einer Tankstelle Tony Laubach treffen.

Tony ist Stormchaser von ganzem Herzen und sein ganzes Leben scheint nur aus Wetter zu bestehen. Er ist begeistert von Georg, er hält lucky charms beim Chasen auch für sehr wichtig und plant eine kleine Webisode darüber, ich bin gespannt ob er es umsetzt. Dann wird Georg noch ein bißchen berühmt! Tony ist sehr nett, obwohl er in Chaserkreisen durch sein Mitwirken bei der Fernsehserie Storm Chasers durchaus sehr bekannt ist und dementsprechend vermutlich viel angequatscht wird. Wir wollen natürlich ein Foto von uns vier machen:

Am Ende des Berichts findet ihr einen Link zu Tonys Bericht über diesen Tag.

Wir fahren ein Stück weiter bis zu einer Kreuzung, an der auch sehr viele andere warten. Wir quatschen ein bißchen mit einem Engländer der aussieht wie Jack Black nur in verlottert. Plötzlich fahren fast alle los, und wir sind auch der Meinung, dass jetzt klar ist, welche Zelle es machen wird.

Der Chasetrain rollt und wie immer haben es Einige eiliger als Andere, darunter auch die Jungs von Tornado Hunters. Da die aber auch immer deutlich näher an den Tornados stehen als wir, müssen die sich halt auch mehr beeilen, um nicht zu spät zu kommen.

Die Zelle geht absolut nuts und es ist schon auf dem Radar zu erkennen, dass sie die Entstehungs- und Reifungsphasen zu einer tornadischen Superzelle im Zeitraffer durchläuft. Passend dazu hier ein Zeitraffer der Geburt des ersten Tornados:

Wir sind begeistert, schon wieder sehen wir einen Tornado! Da wir aber nicht die Kamera im Moment des ersten touchdowns ausschalten wollen, bleiben wir an diesem spot, bis der Tornado runterkommt. Dadurch sind wir ein wenig zu weit weg, daher packen wir schnell zusammen und fahren dem Tornado hinterher nach Norden. Die Strassenoptionen sind perfekt, der Tornado bleibt die ganze Zeit in einer absoluten Nordzugbahn, und es gibt eine Strasse, die nach Dodge City führt, die auch kerzengerade nach Norden zeigt. Am Ende des Zeitraffers sieht man, dass der Tornado gerade geliftet hatte, doch als wir weiterfahren, kommt er direkt wieder runter und zwar schöner und größer als zuvor.

Wir halten wieder an, aber das Licht scheint jetzt von der linken Seite rein, und so ist der Tornado nur noch sehr schlecht zu erkennen. Also wieder ins Auto und auf der gleichen Strasse weiter nach Norden. Was dann passiert, ist der absolute Wahnsinn:

Unter der linken Meso tanzt immer noch der gleiche Tornado, und aus der rechten Zirkulation kommen gleichzeitig noch zwei ganz dünne Tornados runter.

Schöner sind jedoch die Momente, in denen zwei deutlich zu sehende Tornados am Boden sind...

Der linke Tornado lifted irgendwann und die rechte Meso kratzt quasi am Boden, darin tanzen multiple Funnel und haben immer wieder kurz Bodenkontakt

Wir müssen durch Dodge City durch. Da recht klar ist, dass der Tornado die Stadt knapp im Westen verfehlt hat, ist das auch kein Problem. Die Stimmung ist gespenstisch mit den Tornadosirenen:

Die perfekte Strasse aus Dodge City raus, die uns wieder direkt an die Zelle ranbringen würde, wird von der Polizei abgesperrt. Wir versuchen eine kleine Nebenstrasse, doch außer der gesperrten Strasse geht wirklich keine mehr nach Norden. Wir halten an und steigen aus, und da fällt uns auch schon auf, was hier im Gras liegt...

 

Der Hagel den wir finden ist in kleinsten Fall so groß wie ein Golfball und im größten Fall fast so groß wie ein Tennisball. Später sehen wir bei Twitter ein Bild von einem Hagelstein, der so groß ist wie eine Grapefruit, der auch hier gefallen sein muss. Das ist auf jeden Fall ein Scheibenzerstörer.

Wir steigen wieder ein und fahren weiter, und siehe da, der road block ist aufgehoben. Also auf der Strasse nach Norden versuchen, wieder an die Zelle ranzukommen, die mittlerweile recht zerfetzt aussieht und schon länger keinen Tornado mehr produziert hat. An einer T-Kreuzung haben wir nur die Möglichkeit, rechts oder links zu fahren. Erst hier fällt mir auf, dass gerade von Südwesten eine Zelle mit ziemlich hoher Geschwindigkeit in die eigentliche Zelle reinzieht. Hier liegt auch sicher der Grund, warum sie grad so an Organsisation verliert. Um dem Hagel zu entkommen, fahren wir erstmal nach Osten. Wir kommen ohne Hagel davon...

 

Auf der Navigatorseite unterläuft mir in der Aufregung ein Anfängerfehler. Wir fahren quasi direkt in der Nähe der Radaranlage Dodge City herum, und daher sieht die Base velocity über uns für mich aus wie ein böses Tornadocouplet. Daher bin ich mir für ein paar Sekunden nicht mehr sicher, ob das hier safe ist, was wir tun. War es aber...

 

Wir fahren bis wir aus dem heftigsten Niederschlag raus sind und halten an. Plötzlich kommen heftige straight line winds auf, die vermutlich durch den outflow der Riesenzelle nördlich von stammen. Das Auto wackelt stark, und wir fragen uns, was hier gerade passiert, weil die Winde in dieser Stärke eigentlich nicht zu der Situation passen. Nach etwa 2 Minuten nehmen sie wieder ab und wir fahren noch ein Stück weiter nach Osten. Dort halten wir erstmal an einer alten Tankstelle an und steigen aus. Dieses geile chasing muss man erstmal verdauen, multiple Tornados, Tornadosirenen, road block, Grosshagel.... Was für ein Tag.

 

Wir fahren auf der anderen Strassenseite auf einen kleinen Parkplatz und schnaufen durch. Wir sind noch total geflasht, als wir merken, dass dieser Tag für uns noch mehr in peto haben sollte. Es zieht ein schwächeres Gewitter knapp südlich an uns vorbei, und es gibt einen tollen Regenbogen.

Hinter dem abziehenden Gewitter zieht wohl der majestätischste Mammatus auf, den wir je gesehen haben. Bilder sagen mehr als 1000 Worte...

Als die Show endgültig vorüber ist, fahren wir nach Dodge City rein und nehmen uns ein Hotelzimmer. Wie fast jeden Abend ziehe ich zuerst die Timelapseaufnahmen der Dachcam auf den Rechner, und wie fast jeden Abend sind wir uns einig, dass die Timelapsevideos aus der GoPro einfach nur der Hammer sind. Danke GoPro, ihr seid die Geilsten !

Hier der Link zu Tony Laubachs Bericht: *klick*

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Kommentare: 5
  • #1

    Mandy K. (Mittwoch, 25 Mai 2016 15:38)

    Yay - Glückwunsch! Wieder tolle Aufnahmen! :-)

  • #2

    Chriz (Mittwoch, 25 Mai 2016 15:54)

    Congrats... Finally

  • #3

    Jens Winninghoff (Mittwoch, 25 Mai 2016 19:16)

    Der gestrige Tag war unglaublich und entschädigt für viele schlechte Jahre. So etwas werden wir wohl nicht mehr so schnell wieder erleben. Auch die Tage davor waren schon der Wahnsinn

  • #4

    Sushi (Mittwoch, 25 Mai 2016 20:05)

    Hey Jungs, geile Pics. Aber nur drei am Boden ist schon ein wenig schwach. Die nächsten Photos will ich aus dem Auge des Tornados , aus dem Auto in 10 m Höhe. Aber sieht so aus , als hättet Ihr trotzdem Spass

  • #5

    Volker (Donnerstag, 26 Mai 2016 11:50)

    Respekt und herzlichen Glückwunsch