Ein würdiger Abschluss

Im Hotel mit dem miesesten Preis-Leistungsverhältnis unserer Reise (Best Western Topeka) hat es nichtmal einen Aufzug, und das für 150 Dollar die Nacht. Zum Glück ist der Concierge... also sagen wir mal der Schüler, der hier nachts die Rezeption bewacht... sehr hilfsbereit und hilft uns, die Sachen die Treppen hochzubringen.

Schon abends haben sich die Vorhersagen für den heutigen Tag verschärft, und morgens wird dann ein moderate risk ausgegeben, und die Medien sprechen von einer Tornado Outbreak Lage. Wir glauben das gern, die Luft ist hier dermaßen soaky und das Licht ist schon morgens ganz seltsam. Schwer zu beschreiben, aber so einer der Tage, die einem unheimlich vorkommen. Wir sind daher beide etwas angespannt, und fragen uns, ob es wirklich Sinn macht, hier heute irgendwas zu chasen. Auf dem Weather Channel reden sie davon, dass die Dryline und die liegengebliebene Warmfront und die outflow boundaries vom Vortag am Nachmittag dafür sorgen werden, dass der komplette Warmsektor hochgeht. Sowas ist eher anstrengend, wenn sich um Einen herum überall kräftige Gewitter bilden, zum Einen, weil man dann immer schauen muss, nicht selber gejagt zu werden, und weil die Gewitter sich oft gegenseitig stören und es so selten eine einzelne Zelle schafft, dominant zu werden. Es ist ein 15% Tornado risk ausgegeben, das ist erstens sehr selten und zweitens schon fast eine Garantie für einen #BUST. Als gegen Mittag alles zu kochen anfängt, entschließen wir uns, erstmal nach Westen zu fahren. Wir wollen sehen, welchen Schaden der Tornado vom Vortag angerichtet hat. Da wir ja wissen, dass es keine Personenschäden gab, fahren wir auf der I-70 bei Chapman ab und fahren durch den Ort. Knapp südlich des Ortes geht eine Strasse nach Westen, wir wollen gerne zu der Stelle, an der es einen besonderen Tornadoreport gab. Der Text lautete: Railroad tracks destroyed. Wir können uns das nicht wirklich vorstellen, aber auch ein Blick auf die Szenerie bleibt uns verwehrt, da die Strasse in diesem Bereich schon gesperrt ist, weil dort schweres Gerät am Werk ist, um die Schienen wieder in Ordnung zu bringen. Auf Twitter finde ich ein Bild davon:

Was zum Teufel braucht es, um Schienen so zu verbiegen ?

 

Wir fahren auf einem kleinen Feldweg zum damage path und sehen eine große Schneise abgeknickter Bäume. Es ist zum Einen sehr bedrückend zu sehen, welche Gewalt hinter so einem Tornado steckt, und zum Anderen auch unglaublich beeindruckend. Wir sind ja schließlich auch hier, um zu sehen, was Mutter Natur so drauf hat. Es fühlt sich einerseits etwas voyeuristisch an, andererseits wollen wir es auch sehen, um den Respekt vor dieser Naturgewalt zu erhalten. Wir schauen kurz und fahren dann aber auch weiter nach Westen. Der Warmsektor brodelt, eine Zelle, die kurz vorher neben uns an der Interstate entstanden ist, hat schon einen kurzen Tornado produziert. Wir fahren hinter einem ganzen Gewitterkomplex Richtung Süden, um aus der seltsamen Suppe rauszukommen.

Es zeigt sich, was viele schon vermutet hatten. Durch die frühe Auslöse wurde die Luft hier schon ausgeräumt und es passiert nichts mehr, außer dass sich ein riesiger Gewittercluster bildet und nach Nordosten zieht.

Wir fahren bei Wichita nach Südwesten Richtung Oklahoma Panhandle, in der Hoffnung noch in der westlichen Gewitterlinie eine Zelle rauspicken zu können, die gut aussieht. Das bleibt uns leider verwehrt, die gehen alle kaputt.

Wir halten an einem Feldweg an und glotzen einer schwächelnden Gewitterzelle hinterher, in der Hoffnung, dass sie sich verstärkt. Offensichtlich schauen wir nicht angestrengt genug, sie verstärkt sich nicht und zieht als europäisches Standardgewitter durch die Lande.

Wir haben nicht mehr allzu viele Hoffnungen, dass wir heute noch was geboten bekommen, und so planen wir unseren Weg großräumig mal Richtung Süden, weil wir ja am nächsten Tag schon in der Dallas/Ft.Worth Gegend sein wollen. Großräumig deshalb, weil wir doch erstmal straight nach Westen Richtung Coldwater in Südkansas fahren, weil dort noch eine stärkere Gewitterzelle zu sein scheint.

Sie sieht auch toll aus, die Struktur macht Hoffnung, doch auch hier fehlt der Wille, sich in die gute Luft hineinzufressen und zu verstärken. Sie hagelt offensichtlich sehr ordentlich, es kommen auch noch knackige Hagelreports von 2,75 inch, also Baseball size.

Aufgrund der strammen Zugrichtung nach Nord-Nordost lassen wir sie aber ziehen und hoffen auf eine Zelle, die noch deutlich dahinter ist.

Wir fahren geradewegs nach Süden, mit ganz wenig Hoffnung. Je näher wir der Zelle kommen, desto deutlicher wird die Struktur sichtbar. Nicht gefährlich, aber gefährlich aussehend, und wunderschön.

Sie schiebt eine beeindruckende shelfcloud vor sich her, und es sieht aus, als würde darunter der Teufel wohnen. Wir müssen noch ein bißchen auf der Strasse bleiben, um dann genau östlich von der Zelle nach Osten abbiegen zu können. Es sieht für mich bedrohlich aus, und so wird das Tempolimit kurzfristig individualisiert.

Am Besten drückt es mal wieder der timelapse der GoPro auf dem Dach aus...

Wir halten etwas östlich der Kreuzung wie auf dem Video zu sehen ist für ein paar Minuten an,um Fotos zu machen. Jörg mahnt bald zum Aufbruch, aber eher damit wir noch vor die nächste Zelle in der Linie kommen. Und als guter Fahrer sollte man auf seinen Navigator hören, daran muss ich für nächstes Jahr wieder etwas arbeiten. Zu oft habe ich die Entscheidungen infrage gestellt, obwohl klar ist, dass Jörg uns nicht in die Sch.... manövrieren wird. Wir fahren in die Nacht hinein und weiter nach Südosten, grobe Richtung Oklahoma City. Wir hoffen, noch eine der späten dryline-Zellen zu erwischen, und es ist auch eine ganz Ordentliche am Werk, aber die Luft ist heute etwas raus, und so fahren wir auf meinen Wunsch (mittlerweile in der Nacht) nicht mehr an die nächste Zelle ran, sondern machen einen etwas saferen Bogen und hoffen noch auf eine schöne Blitzshow. Diese bekommen wir zwar, aber es geht jetzt fast allen Zellen die Puste aus, und sie sterben nach und nach. Wir stellen zwar nochmal das Stativ auf, aber ausgerechnet das scheint den Zellen den Rest zu geben.

Wir sehen an der Landstrasse noch zwei Meteorologie-Studenten, die gerade einen Wetterballon steigen lassen. Wir gesellen uns für einen kurzen Plausch dazu, sieht man ja nicht alle Tage.

Als wir in El Reno ankommen, wo wir uns für heute von unterwegs aus ein Hotel gebucht haben, wissen wir, dass es das jetzt dann wohl war. Morgen werden wir nichts mehr mitnehmen können, die Vorhersagen sind mies und die Shopping Malls wollen auch noch besucht werden. Wir liegen schon fast im Bett (es ist schon nach 1), als plötzlich die Wand hinter uns erbebt. Wir schauen uns fragend an, da bebt es auch schon wieder.... Direkt hinter unserer Zimmerwand liegt der Aufzug, und bei jeder Bewegung glaubt man, das Gebäude würde gleich einstürzen. Neee Leude, so nich!

Wir bekommen ein anderes Zimmer, das zugleich auch noch größer ist, damit wir nicht auf die Idee kommen, eine schlechte Bewertung abzugeben. Aber das Hotel ist fast neu, wer plant denn bitte sowas ? Morgen werden wir nach Dallas weiterfahren und dort shoppen gehen, das war also unser Stormchasing-Trip 2016. Das Fazit verdient einen eigenen Blogpost!

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