Tornado!

Heute besteht ein Moderate Risk für schwere Gewitter bereits für den Ort Perryton, in dem wir eine entspannte Nacht verbracht haben. Theoretisch bedeutet das Abwarten und Tee trinken, allerdings sehen am Morgen nach dem Scannen der Wettermodelle die Chancen weiter südlich besser aus. Es hat dort am Boden bereits vormittags eine südöstliche Anströmung. In Perryton kommen die Winde steil aus Süd und das ist aus den Erfahrungen der letzten Jahre in der Regel nicht gut für fotogene Superzellen.  Wir beschließen weiter nach Süden zu fahren und legen in Pampa einen Zwischenstopp in einem urigen Steakhouse ein.

Zu dieser Zeit entstehen bereits erste Zellen nordwestlich von uns. Unser Fokus liegt allerdings auf dem Gebiet südlich von uns, doch hier bleibt es zunächst noch ruhig. Unsere Technik ist im Übrigen auch dieses Jahr noch nicht ausgereift. Dieses Mal macht Nils´ Laptop Schwierigkeiten und stürzt in schöner Regelmäßigkeit ab. Es dauert dann jedes Mal einige Minuten, alles wieder zum Laufen zu bringen. Passiert das in der Nähe eines Tornados ist das eher weniger spaßig. Südöstlich von Amarillo hat es mittlerweile ausgelöst und wir fahren sofort los. Wir halten in der Nähe des Ortes Alanreed an der I40 auf einer Anhöhe und beobachten den Horizont Richtung Westen. Wir sehe zwei sehr niedrige Wolkenbasen und es haut immer wieder mächtig böllernde Erdblitze aus dem Amboss der mittlerweile Tornado-bewarnten Zellen. Diese Blitze sind ein unglaubliches Erlebnis! Extrem kurz und hell, in der Regel ein glatter Blitzkanal und der Donner ist extrem bassig und unbeschreiblich laut. Sie werden auch „Smooth Channel Lightning Strikes“ genannt und finden sich nur in Zellen, die stark genug sind, einen Tornado zu produzieren. In der Regel gibt es einen regelrechten Dauerbeschuss kurz bevor ein Tornado entsteht. Wir schauen daher besonders genau unter die Basis. Die nördliche der beiden Zellen wird schwächer und die südliche übernimmt. Wir fahren noch etwas auf der I40 nach Osten am Ort McLean vorbei, sind aber unentschlossen und fahren ein wenig auf der angrenzenden Service Road hin und her, schließlich wieder zurück nach McLean und dann nach Süden. Hagel beginnt zu fallen und wird schnell so groß, dass wir sofort wieder umdrehen müssen, züruck auf die I40 weiter nach Osten. Es ist zu diesem Zeitpunkt etwas stressig weil wir wegen des Hagels Vorsicht walten lassen müssen. Ich frage Nils während der Fahrt nach Osten ob er hinter uns etwas sehen und kann…kann er, Tornado am Boden ca. 5km hinter uns. Wir fahren hektisch an der nächsten Ausfahrt raus und schauen uns das Spektakel an. Der Tornado ist leider sehr weit weg, sieht aber auch aus der Entfernung sehr fotogen aus: 

Er verschwindet leider sehr bald im Regen und die Zelle geht nun endgültig in den HP Modus über. Südlich hat sich eine weitere Zelle gebildet und wir beschließen diese von hinten anzufahren, weil wir glauben, nach Osten nicht mehr rechtzeitig davor zu kommen bzw. zu viel Zeit zu verlieren. Wir sehen auf der Fahrt einen wunderschönen Regenbogen:

Es dauert sehr lange bis wir wieder südöstlich vor die Zelle kommen. Das hat sich leider nicht gelohnt, alles sieht irgendwie unorganisiert aus. Gleiches Spiel nochmal: Eine Zelle hat sich südlich gebildet und wir fahren wieder heran. 

Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass sie es schafft sich zu organisieren:

Sieht derweilen dann etwas leider recht europäisch aus... 

Sie möchte sich nicht so recht organisieren, im Zeitraffer sieht das Ganze aber doch ganz nett aus, besonders der riesige Fallstreifen in der Dämmerung...

Im Nachhinein hätten wir vielleicht an der nördlichen Zelle bleiben sollen, schließlich hat sie einen weiteren Tornado bei Elk City und Hagel bis zu 10cm Größe produziert. Allerdings muss man klar sagen, dass diese HP Zellen generell nicht sonderlich fotogen sind. Man muss schon genau an der richtigen Stelle sein, um ausreichend Kontrast zu bekommen. An der Stelle ist dann in der Regel die Hagelgefahr nicht von schlechten Eltern. Wäre ja sonst auch zu einfach. Wir haben also außer Gorilla-Hagel bis 10cm nicht viel verpasst. Die Blitzshow ist allerdings nicht von schlechten Eltern:

 

Bei Albert lassen wir unsere Zelle dann endlich ziehen. Es ist mittlerweile 22 Uhr und sowohl dem Gewitter als auch uns geht so langsam aber sicher die Puste aus. Hotels sind in der direkten Umgebung etwas spärlich gesät und wir fahren noch ein ganzes Stück nach Westen in den Ort Clinton. Nils hat ein La Quinta gebucht und wir freuen uns schon sehr auf unser Bett. Bei Ankunft zweifeln wir zunächst einmal unser Navi an: Das Hotel ist einfach nicht da. Google bestätigt aber ebenfalls, dass es genau hier sein soll. Wir sind etwas verwirrt und mutmaßen, dass es einfach abgerissen, die Adresse aber nicht upgedated wurde. Beim Zurückfahren sehe ich links ein unscheinbares Schild mit der Aufschrift "La Quinta". Wir drehen unsere Köpfe und sehen schemenhaft ein riesiges Gebäude direkt neben uns. Des Rätsels Lösung? Die ganze Stadt Clinton hat keinen Strom mehr und entsprechend hat auch unser Hotel keinen...gar keinen. Das sieht nicht nur gespenstisch aus sondern ist es auch. Mit Stirn- und Handylampe bewaffnet checken wir ein und bringen unsere Sachen aufs Zimmer. Um 0:37 Uhr ist dann auch der Strom wieder da und wir entschwinden ins Land der Träume. Jeder Tag hält hier irgendeine Überraschung für uns bereit, unglaublich. 

 

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