Die liebe Technik

Aurora, CO nach North Platte, NE

 

Morgens rüsten wir erst einmal in aller Ruhe unseren Nissan Armada mit Technik aus. Laptophalterung, Baron Mobile Threat Net, Signalbooster wollen vernünftig installiert und verkabelt werden. Nils nickt nach einem Test zufrieden, es kann also losgehen...

Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg nach Norden. Das Ziel heißt fürs erste Pine Bluffs, Wyoming, da wir dort in der Gegend mit den ersten Gewittern rechnen. Das Storm Prediction Center warnt vor Superzellen mit großem Hagel und Orkanböen und gibt einen "Enhanced Risk" heraus...kein schlechter Start...aber zu dem Zeitpunkt haben wir ja auch noch nicht geahnt, dass die liebe Technik für Ärger sorgen sollte. Das handele ich hier jetzt einmal ab:

Nils hadert schon kurz nach unserem Aufbruch in Denver mit dem Empfänger für das mobile Internet, welcher aus unerfindlichen Gründen ständig abstürzt und Fehlermeldungen produziert. Wir haben uns dieses Jahr für ein Leihgerät von Sprint mit unbeschränkter Datennutzung entschieden. Ein Stormchaserkollege von uns hat damit in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht und da wir mittlerweile um die 20GB pro Tour mit Verizon durchjagen, was nicht gerade günstig ist, wollten wir diese Variante auch einmal testen. Sprint ist von der Coverage her ziemlich vergleichbar mit Verizon...aber was nützt einem das wenn der Empfänger keine Verbindung herstellen möchte. Nils hat nach stundelangem Rumprobieren und Wütendwerden im Laufe des Tages irgendwann aufgegeben und nachdem die Sprinthotline auch nicht erreichbar war, sind wir dann nur noch mit unserer Back Up Lösung durch die Gegend gefahren. Die braucht wenigstens keine Internetverbindung, sondern zieht die Daten direkt über Satellit. Haken dabei ist die antiquirte und ungenaue Darstellung und die generell limitierte Detailgenauigkeit der Daten. Wir werden morgen versuchen das Thema in den Griff zu bekommen, entweder mit Sprint oder Verizon. So gehts auf jeden Fall nicht weiter. 

Zurück zum Tagesverlauf:

Bei einem Zwischenstop in Cheyenne machen wir uns erstmal leckere Taccos in einem nahegelegenen Park. Frisch gestärkt geht es kurz darauf dann schon den ersten Gewitterzellen entgegen. Diese wollen allerdings nicht so richtig in Fahrt kommen und stoßen schon nach kurzer Zeit Kaltluft aus. Um sich das mal vor Augen zu führen: Die Temperatur sinkt innerhalb weniger Minuten von 29 auf 17 Grad ab. Dass das nicht sonderlich toll für die Gewitter sein kann ist klar, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Daher vergeuden wir noch locker eine Stunde, bis wir endlich einen beherzten Entschluss fassen weiter nach Osten zu fahren. Nach einer Ewigkeit kommen wir an eine kleine, aber feine Zelle heran. Sie quillt vor unseren Augen hoch, dass es eine wahre Freude ist. Die Idee kommt auf die Zelle zu durchfahren, also einen sogenannten Core Punch hinzulegen. Da keine Tornadogefahr besteht wollen wir uns ein wenig "desensibilisieren", sprich, uns an die Fahrt durch Hagel gewöhnen. Das hat sonst immer für massig Adrenalin und schwitzige Hände gesorgt und wir müssen abhärten. Nichts wie rauf auf die I80 weiter Richtung Osten. Folgerichtig fängt es nach kurzer Zeit an zu hageln. Erst etwas zögerlich, dann aber mit aller Wucht von rechts gegen unser Auto mit vielleicht 2cm großen Steinen. Das mag sich nicht sonderlich groß anhören, wenn diese Körner allerdings noch durch geschätze 70-80kmh Südostwind beschleunigt gegen das Auto knallen, kann einem schon etwas bange werden.

Wir kommen unbeschadet durch, müssen dann aber einen sehr langen Umweg in Kauf nehmen um wieder in eine gute Beobachtungsposition außerhalb des Regens zu gelangen. Die Fahrerei dauert ewig und das Tageslicht schwindet langsam auch, es ist schon kurz vor 8 als diese Aufnahmen entstehen:

Nach dem Eindunkeln erleben wir eine Blitzshow allererster Sahne. Ich kann mich nicht erinnern jemals soviele Blitzeinschläge in kürzester Zeit gesehen zu haben. Gegen 22 Uhr kommen wir in North Platte, Nebraska, unserer Endstation für heute an. Es hat mittlerweile nur noch 14 Grad draußen, absolut surreal.  Bei sintflutartigem Regen - etwas Hagel ist auch dabei - checken wir im Best Western Plus ein. Wir bekommen das letzte! Zimmer und sind heilfroh, dass wir nicht noch ewig weiterfahren müssen. Das kann hier schonmal passieren, wenn alle Hotels mit Chasern gefüllt sind. 

Fazit: Ein toller erster Tag, auch wenn wir die kurzlebigen Tornados in Nebraska nicht gesehen haben. Gewitterwunderland USA!

 

Übernachtung: Best Western Inn North Platte

 

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