Beautiful backside

Fairview, OK to Amarillo, TX

 

Wir werden in Fairview sanft von einem Erdbeben der Stärke 4,0 geweckt, das in etwa 100 Meilen Entfernung sein Epizentrum hat. Für uns beide ist es das erste Erdbeben das wir erleben, und man weiß sofort, daß es eins ist. Alles schunkelt leicht für etwa 7 Sekunden. Jörg sagt sofort:"Hast du das auch gemerkt?"

 

Wir fahren nach Westen Richtung Amarillo, westlich davon soll es am Nachmittag Gewitter auslösen. Schon Mittags sind erste Niederschlagssignale zu sehen, allerdings noch weit in New Mexico und ziemlich harmlos. Wir fahren direkt an Amarillo vorbei bis nach San Jon in New Mexico, dort hat sich eine Zelle schon ordentlich verstärkt und sieht auf dem Radarbild nach klassischer Superzelle aus. Als wir uns davorsetzen, schlägt vor uns in etwa 3 km Entfernung ein Blitz heftig in die Landschaft ein, und als wir an der Stelle vorbeikommen, sehen wir, daß er die Steppe in Brand gesetzt hat. Hier ist halt dieses Jahr alles furztrocken, da darf man nichtmal eine Kippe aus dem Fenster werfen, geschweige denn einen Blitz.

Auf dem ersten Foto sieht man, wie die Zelle den Rauch dieses kleinen Feuers ansaugt.

Dann verliert sie erstmal ihre Organisation weil immer wieder neue Gewitter von Süden reinziehen. Wir versuchen auf der Südseite dranzubleiben, nehmen dann aber eine falsche Strasse, die zwar zuerst asphaltiert ist, aber dann an einer Kreuzung, an der wir abbiegen müssen, zu einer Dirt Road wird. Da sich hinter uns keine neuen Gewitter mehr bilden, riskieren wir die Fahrt, merken aber schnell, daß sich nasser Lehmboden nicht mit unserem Reifenprofil vereinbaren lässt. So drehen wir um und verlieren etwa 20 Minuten. Damit sind wir erstmal hintendran.

Das ist aber alles andere als schlimm, die Rückseite des Gewitterkomplexes, der sich mittlerweile gebildet hat, sieht wunderschön aus, stark ausgeprägter Mammatus und ein im Abendlicht angestrahlter Aufwindturm erwärmen unser Chaserherz. Wir fahren auf der Rückseite vorbei bis zu einer Ostoption, und versuchen uns dann noch vor die Zelle zu setzen, um uns im Ort Plainview davon überrollen zu lassen. Der Versuch scheitert aber, da die Zelle uns den Weg mit Hagel abschneidet. So bleiben wir dahinter und genießen die Abendstimmung mit traumhaftem Mammatus und crawlenden Blitzen (hier fehlt eine deutsche Übersetzung). Wir fahren dann noch bis nach Amarillo, um für den nächsten Tag nicht mehr ganz so weit fahren zu müssen, da wir für übermorgen in die Nordostecke von Colorado wollen. Nordöstlich von Amarillo, in über 100 Meilen Entfernung, sehen wir auch noch Gewitter, die wie ein Lampenschirm immer wieder durch Blitze erhellt werden. Das ist, als würde man in München Gewitter bei Ulm am Nachthimmel sehen. Das geht hier nur aufgrund des absolut flachen Landes, und das macht es so reizvoll, hier zu chasen.

Übernachtung: Drury Inn & Suites Amarillo

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