Erster Tornado

Wir verlassen morgens North Platte in Nebraska und fahren nach Süden Richtung McCook an der Grenze zu Kansas. Die Bedingungen für Tornados sind angeblich nördlich besser, aber wir haben keine Lust auf messy storms mit Tornados im Teletubbyland. In McCook treffen wir Michael, Jens und Ingo und tauschen uns kurzweilig über die letzten und nächsten Tage aus.

Als sich während unserer Unterhaltung bei Goodland in Kansas eine Zelle rapide verstärkt und sofort mit einer severe thunderstorm warning belegt wird, ist klar, daß der erwartete Sturm gerade geboren ist.

Wir fahren nach Südwesten und direkt ran an die Zelle, die noch extrem hochbasig ist und unorganisiert aussieht.

Sie schmeißt eine Menge Niederschlag ab, und der downburst erzeugt einen Fractuswirbel, was ziemlich cool aussieht.

 

Die Zugrichtung ist straight nach Nordosten, was es mit den Strassen, die Nord/Süd oder West/Ost verlaufen, extrem schwierig macht, an der Zelle dranzubleiben. Wir sind zu nah am Geschehen um uns besser zu positionieren und sind so erstmal gezwungen, im Süden bzw Südwesten der Zelle "hinterherzufahren". Man würde denken, daß es genau das ist, was man als "Stormchaser" so macht: Hinter Stürmen hinterherfahren. Aber die Positionierung in Zugrichtung vor der Zelle ist extrem wichtig, und die verhauen wir heute etwas, weil wir schnell am Geschehen sein wollen. Etwas mehr Geduld würde uns weiter nordöstlich warten lassen bis die Zelle reif genug ist, einen Tornado zu produzieren. So fahren wir jetzt hinterher. Aber auch auf dieser Seite gibt es interessante Ansichten, und der Fractus hängt teilweise bis zum Boden runter.

Als wir gerade weiterfahren, entwickelt sich tatsächlich ein Tornado aus der Zirkulation:

Er löst sich allerdings auch schnell wieder auf. Wir müssen aufgrund der Strassenoptionen im Moment etwas abwarten, bis wir näher an die Zelle herankommen und eventuell dann mal dran vorbei. Wir sehen immer wieder viel Fractus aufsteigen, aber insgesamt sieht die Zelle von unserer Seite aus sehr wild und unstrukturiert aus.

Wir schauen von hinten in den Hagelvorhang, und die Reports verraten uns, daß weiter nördlich schon wieder ein Tornado gesichtet wurde. Wir können erahnen, daß er irgendwo in diesem Hagelschaft herumtanzt:

Der Tornadoreport ist bei Farnham in Nebraska, und im Text des Reports steht leider auch, daß die Strasse durch Bäume blockiert ist und daß die Polizei die Strasse abgeriegelt hat. Uns bleibt nichts, als trotzdem bis dorthin zu fahren.

Wir sehen Tornadoschäden an den Bäumen und die auf der Strasse liegenden Bäume.

Wir müssen einen Umweg über eine nasse Dirtroad nehmen, und damit ist die Zelle aufgrund ihrer Zuggeschwindigkeit dann auch weg. Wir brechen ab und fahren nach Süden für die Show am nächsten Tag. Auch diese Nacht werden wir von Gewitterzellen am Horizont begleitet, und um halb eins nachts kommen wir dann doch recht müde in Great Bend in Kansas im Hotel an.

Ein geiler Tag, aber noch Potenzial bei der Positionierung. Wir hätten vor der Zelle bleiben sollen, dann hätten wir vermutlich zwei oder drei Tornados gesehen. Hätte hätte Fahrradkette.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Voika (Dienstag, 21 Mai 2019 19:11)

    Y E S ! ! ! ! ����