Bester Tag...bis jetzt

Nach der zugegebenermaßen viel zu langen und späten Fahrt gestern Abend, wachen wir etwas kaputt in Great Bend, KS auf. Vorteil der Hau-Ruck-Aktion: Wir müssen heute nicht so weit fahren, genauer gesagt erstmal "nur" ca. 100 Meilen (das ist hier quasi ein Katzensprung) nach Coldwater, KS wo wir auf die Auslöse der heutigen Gewitter warten.

 

Wir finden eine nette Picnic Area und stärken uns erstmal mit ein paar leckeren Tacos. Ich schaffe nur 3, Nils schafft 8...ich bin nicht mehr so der große Esser wie es scheint, oder ich esse unterwegs einfach zuviel Beef Jerky. 

 

Nach dem Essen geht es dann auch schon los. Nördlich von Coldwater löst es eine erste Zelle aus, weiter westlich ebenfalls. Davon lassen wir uns allerdings nicht beeindrucken, denn die aktuellen Scherungswerte, 500Mb Winde, Bodenwinde und Taupunkte sehen südlich von uns besser aus. 

 

Außerdem ist da ja noch das "Woodward" Phänomen. Das Städchen Woodward in Oklahoma war in den letzten Jahren immer sehr gut zu uns. Ob spektakuläre LP (Low Precipitation) Superzelle oder Tornado. Nur einmal haben wir uns von Woodward weglocken lassen, damals in 2010, als wir im Südosten von Kansas rein gar nichts gesehen haben und stattdessen in Woodward eine Zelle nach der anderen hoch ging. Der Woodward Faktor ist also nicht zu vernachlässigen und auch dieses Mal sollte es funktionieren. 

 

Zunächst schenken wir den ersten Zellversuchen dort überhaupt keine Beachtung und konzentrieren und auf eine Zelle, die bei Alva ca 35 Meilen östlich von uns hoch geht. Die Zelle wird innerhalb von 20min direkt mal mit einer Severe Thunderstorm Warning belegt und der Updraft sieht aus der Entfernung prächtig aus. Als wir schon auf dem Weg dort hin sind, überzeugt mich Nils im richtigen Moment mit den richtigen Argumenten doch noch einmal über Woodward nachzudenken ("Ey Alter, die ist bei Woodward, du weißt was das bedeutet!") und tatsächlich, dort scheint sich eine LP Superzelle anzudeuten. Der Updraft - zwischenzeitlich wieder deutlich besser aussehend - gibt sich alle Mühe. Wir entscheiden uns da ran zu fahren und werden nicht enttäuscht. Auf dem Weg sehen wir bereits eine beeindruckende Basis und Hagel beginnt zu fallen. Wir können den Hagel direkt aus der Zelle heraus auf unser Auto fallen sehen, ein irrer Anblick. Zwischenzeitlich sieht es so aus als würde es schneien. Der Hagel bleibt zum Glück nur quartersized (etwa 2,5cm Durchmesser) und bleibt damit ungefährlich für unser Blechkleid. 

 

Die Zelle ist allerdings recht fix unterwegs und zieht mit ca. 30 Meilen nach Osten. Das hält uns etwas auf Trab und wir können immer nur kurz anhalten um Fotos zu machen. 

 

Nach einer Weile läuft sie mit anderen Zellen zusammen und das ganze wächst zu einer absolut beeindruckenden Gewitterlinie zusammen.  

 

Eine sehr imposante Szenerie bietet sich uns, das Tüpfelchen auf dem "I" ist dann noch das Hurricane Hunter Flugzeug, welches mehrere Male vor der Linie her fliegt.

 

Das Flugzeug gehört zum "TORUS" Forschungsprojekt, welches dieses Jahr Superzellen untersucht. Hier könnt ihr mehr erfahren:

 

https://www.nssl.noaa.gov/projects/torus/

 

Die Gewitterlinie bildet eine sogenannte "Roll Cloud". Diese Roll Cloud hat keine Verbindung zum eigentlichen Gewitter und ist trotz ihres dramatischen Aussehens harmlos.

Kalter Abwind aus dem Gewitter schiebt sich unter die Warmluft, die vom Gewitter angesaugt wird, dabei können manchmal aber eher selten diese Roll Clouds entstehen. 

 

In diesem Zeitraffer könnt ihr unsere Fahrt unter die Roll Cloud sehen.

 

Ein Low Level Jet drückt zum Abend von Südwesten rein und lässt die Linie wieder in Einzelzellen zerfallen, die dadurch wieder ordentlich an Kraft gewinnen.

 

Uns gelingen einige Blitzbilder der südlichsten Zelle:

 

Die Zelle trägt mittlerweile wieder ordentlichen Hagel in sich und wir beschließen, uns in Pond Creek zum Abschluss des Tages überrollen zu lassen. 

Unter einem Tankstellendach finden wir Schutz.

Es schlagen einige Erdblitze in der unmittelbaren Umgebung ein und wir hören die Hagelwand aus der Ferne heranrollen, ein irrer Sound, man kann es mit dem Rauschen eines Wasserfalls vergleichen. Erste Hagelsteine schlagen auf den Dächern vor uns auf. Ich erschrecke mich nicht schlecht, als ich das Zischen eines ca 4cm großen Hagelsteins höre und den Einschlag direkt neben mir sehe. "Macht schon Sinn sich unterzustellen du Idiot", denke ich mir und sprinte unter das Tankstellendach". Das hätte sicherlich ordentlich weh getan. 

Dieses Video sollte die Stimmung ganz gut rüberbringen:

 

Die Masse des Hagels ist deutlich kleiner, maximal quartersized. 

In Pond Creek kommt ein 1,75 Inch Hagelreport rein, passt sehr gut nach dem oben geschilderten Schreckmoment. 

 

Wir lassen die Zelle dann ziehen und fahren nach Enid. Der gestrige Tag war lang genug, das brauchen wir nicht zwei Tage hintereinander. 

 

Zur Belohnung gibt es um halb zehn Abends einen Five Guys Bacon Cheese Burger mit 1040 Kcal.

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