Last Chance

Quelle: www.spc.noaa.gov

Mit etwas Wehmut brechen wir heute morgen in Weatherford zu unserem letzten Chasing auf. Nochmal ein Moderate Risk, die Chancen stehen also schonmal sehr gut, daß es nicht die Nadel im Heuhaufen wird.

Wir rollen nach Westen in die kleine Stadt Borger.

Und was macht man da natürlich?

BURGER!

Für diese Unternehmung haben wir uns einen Tag mit über 30 km/h Bodenwinden ausgesucht, wie man an den Bäumen gut erkennen kann. Deswegen kauern wir uns auch so gegen das Häuschen.

Für eine standesgemäße Szenerie sorgt die Tatsache, daß wir uns an der Intersection von Dryline und Kaltfront befinden und direkt vor uns ein Turm nach dem anderen in den Himmel schießt. Da schmeckt das Chaser-Essen gleich doppelt so gut.

Das soll eigentlich noch nicht der Real Deal sein, da es erst kurz nach Mittag ist. Für den Nachmittag sind noch stärkere Zellen prognostiziert.

Wir fahren ein kleines Stück zurück nach Osten wo wir hergekommen sind, um uns besser positionieren zu können, wenn eins der Gewitter severe wird.

Es dauert auch nicht lange, und eine der Zellen bekommt eine severe Warnung und verstärkt sich. Wir glauben noch nicht dran und warten auf die nächsten Entwicklungen, zumal die Zelle bei ihrer Zugrichtung und - geschwindigkeit schon auf und davon ist. Kurze Zeit später produziert die Zelle im Norden ihren ersten Tornado...

Doch auch die nächsten Zellen entstehen wenig später an fast der gleichen Stelle, und wir picken uns die Zelle raus, die eine rasante Verstärkung zeigt.

Wir setzen uns dieses Mal in Zugrichtung davor (sind ja lernfähig) und warten ab. In der feuchten Luft sieht man heute nicht besonders weit, und so kommt es, daß wir gefühlt schon fast unter der Meso stehen, ohne etwas erkennen zu können.

Wir fahren wieder ein Stück weg und warten auf die nächste Zelle, die auch extrem kräftig aussieht. Dieses Mal haben wir auf einer Anhöhe eine tolle Sicht über die Landschaft und können wenigstens was erkennen, aber kommen von hier aus nicht näher ran. Aufgrund der miesen Sicht sparen wir uns Fotos, auf denen man eh nichts erkennt. Aber das Dachvideo zeigt es:

Auch hier ist die Sicht suboptimal. Jörg sagt noch mit der Gewissheit, daß es ja gar nicht sein kann:

"Das sieht aus wie ein milewide wedge am Horizont"

Kurze Zeit später gibt es einen Report eines großen Wedge Tornados.

Wenn man nichts sehen kann, kann man auch nichts sehen.

Wir lassen wieder die nächste Zelle rankommen, weil sie eine bessere Zugrichtung hat, nämlich ENE anstatt NNE wie die nördlichere Zelle.

Im Abziehen produziert auch die noch eine Tornado, nachdem wir sie aufgrund der Radarsignatur und der Zugrichtung schon abgeschrieben haben.

Das ist heute total verrückt, die Zellen die auf dem Radar gut und healthy aussehen, produzieren nicht, und die, die total unspektukulär und linienartig aussehen, produzieren immer dann einen Tornado, wenn wir es für maximal unwahrscheinlich halten. Hier gibt es anscheinend auch noch Lernpotenzial.

 

Wir fahren nach Süden in die Stadt Canadian um unseren letzten Move des Urlaubs zu setzen. Dort erkennen wir, daß auch unser letzter angepeilter Sturm eine etwas nördlichere Zugrichtung angenommen hat und begeben uns wieder zurück auf die Anhöhe, wo wir vorher eine gute Sicht über die Landschaft hatten.

Das war genau die richtige Idee, wir stehen einige Minuten hier und schauen gebannt zu, wie sich die Zirkulation unter der Zelle mehr und mehr verdichtet, es dreht ordentlich unter der Meso und es sieht aus, als müsste jeden Moment ein Tornado zustandekommen.

Ich filme aus dem Auto heraus, weil die Zelle extreme Blitzeinschläge produziert. Das scheint alle anderen nicht so zu interessieren und Jörg auch nicht, er hofft, einen der extrem kurzen und für tornadische Superzellen typischen smooth channel bolts einzufangen, idealerweise nur auf dem Foto. Da die Blitze aber so unglaublich kurz sind, bekommt man sie trotz Lightning Trigger an der Kamera kaum abgelichtet. Einen kann Jörg letztendlich auf die Speicherkarte bannen:

Die Zirkulation sieht nicht mehr so gesund aus und wir glauben, daß es keinen Tornado mehr gibt. Aus Respekt vor Hagel (das SPC sprach morgens von Hagelgrößen bis 3 inches, also 7,5 cm) fahren wir etwas nach Süden von der Zelle weg. Kurz darauf läuft ein Report eines Tornados an der eben verlassenen Zelle ein. Hier sind wir eben limitiert, weil wir einen Mietwagen haben, den wir gerne ohne Hageldellen wieder abgeben wollen. Mit dem eigenen Auto wäre man eher noch hingefahren...

Da sich die komplette Action nordwestlich von uns abspielt, und das genau die Richtung ist, in die wir heute abend noch fahren müssen, warten wir noch etwas ab. Ganz am Ende der Gewitterlinie sieht es doch tatsächlich nochmal nach einer Zirkulation aus!?

Wir schauen noch etwas zu und fahren dann hinter dem Gewitterkomplex nach Lamar in Colorado, wo wir nachts um kurz nach zwölf ankommen. 

Vollkommen platt sinken wir in die Kissen des räudigsten Hotels unserer Reise.

Das Quality Inn sollte eher Ugly Inn oder Quality Out heissen.

Die Auswahl war leider begrenzt und so fügen wir uns dem Zimmernachbarn, der bis nachts um drei noch Fernsehen muss...

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